Mit dem Projekt DigiSelfTrans wurde in der Vulkaneifel ein Ansatz erprobt, der Digitalisierung, Bildung und gesellschaftliche Resilienz konsequent miteinander verbindet. Über einen Zeitraum von 18 Monaten arbeiteten der Umwelt-Campus Birkenfeld und der DRK-Kreisverband Vulkaneifel e.V. gemeinsam daran, neue Wege zu entwickeln, wie Menschen digitale Technologien nicht nur nutzen, sondern aktiv gestalten können.
Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des DATIpilot-Programms stand dabei von Beginn an eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie kann Digitalisierung so vermittelt werden, dass sie zur Stärkung von Selbstwirksamkeit beiträgt – insbesondere im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels und des Gesundheitsschutzes?
Digitalisierung als Werkzeug für Selbstwirksamkeit
DigiSelfTrans verstand Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug. Ziel war es, Menschen zu befähigen, ihre Umwelt besser zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Im Fokus stand dabei das Internet der Dinge, das es ermöglicht, Umweltveränderungen sichtbar und erfahrbar zu machen. Sensoren, Daten und digitale Anwendungen wurden so zu Mitteln, mit denen Bürgerinnen und Bürger ihre eigene Lebensrealität unmittelbar erfassen konnten.
Gerade im Kontext zunehmender Extremwetterereignisse wurde deutlich, welche Bedeutung dieser Ansatz haben kann. Wer Daten selbst erhebt, versteht Zusammenhänge besser und kann Risiken fundierter einschätzen. Digitalisierung wird so zu einem Instrument der Vorsorge und der gesellschaftlichen Teilhabe.
Lernen durch eigenes Handeln
Ein wesentliches Element des Projekts war die konsequente Ausrichtung auf praxisorientierte Bildungsformate. In Workshops, Kursen und offenen Lernangeboten konnten Teilnehmende eigene Projekte entwickeln und umsetzen. Sie arbeiteten mit Sensoren, programmierten Anwendungen und installierten ihre Systeme im realen Umfeld.
Dabei entstanden unter anderem digitale Hochwasserpegel, CO₂-Ampeln und verschiedene Umweltmesssysteme. Entscheidend war jedoch weniger das einzelne Produkt als der Prozess des Lernens. Durch das eigene Handeln wurde Technik verständlich, und abstrakte Themen wie Klimaanpassung oder Datenanalyse wurden greifbar.
Insbesondere die Arbeit mit Jugendlichen zeigte die Wirkung dieses Ansatzes. Viele der Teilnehmenden hatten direkte oder indirekte Erfahrungen mit Hochwasserereignissen. Die Möglichkeit, selbst Messsysteme zu bauen und zu betreiben, vermittelte ihnen nicht nur Wissen, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit und Handlungskompetenz.
Montage eines Pegel Foto: F.Mai / Umwelt-Campus-Birkenfeld
Vernetzung als Schlüssel
Die Umsetzung des Projekts basierte auf einem breiten Netzwerk regionaler Partner. Bildungseinrichtungen, Jugendorganisationen und ehrenamtliche Strukturen arbeiteten eng zusammen, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und vielfältige Zugänge zu schaffen. Diese Zusammenarbeit erwies sich als wesentlicher Erfolgsfaktor, da sie die Verbindung von formaler und informeller Bildung ermöglichte.
Gleichzeitig wurde DigiSelfTrans über die Region hinaus sichtbar. Präsentationen auf Fachkonferenzen und internationalen Veranstaltungen machten deutlich, dass der entwickelte Ansatz auch in anderen Kontexten von Interesse ist. Die Verbindung von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe trifft auf eine wachsende Nachfrage nach praxisnahen und übertragbaren Konzepten.
Nachhaltigkeit und Transfer
Mit dem Abschluss der Projektlaufzeit endet DigiSelfTrans nicht, sondern geht in eine Phase der Verstetigung über. Bestehende Strukturen wie die IoT-Werkstatt werden weitergeführt und in bestehende Angebote integriert. Die entwickelten Anwendungen bleiben im Einsatz und werden schrittweise weiterentwickelt.
Besonders wichtig ist dabei der Transfer der gewonnenen Erkenntnisse. Die im Projekt erprobten Methoden und Formate bieten eine Grundlage für zukünftige Bildungsangebote und können auch in anderen Regionen adaptiert werden. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag zur frühzeitigen Förderung von Kompetenzen im MINT-Bereich und damit zur langfristigen Fachkräftesicherung.
Ausblick
Der im Projekt entwickelte Arbeitsansatz findet darüber hinaus seine Fortsetzung in der DRK-Strategie 2030. Damit wird die Verbindung von Digitalisierung, Bildung und gesellschaftlicher Resilienz strategisch weitergeführt und in zukünftige Aktivitäten des gesamten DRK-Verbandes integriert.
DigiSelfTrans hat gezeigt, dass Resilienz dort entsteht, wo Menschen befähigt werden, selbst aktiv zu werden. Digitalisierung kann dabei eine entscheidende Rolle spielen – vorausgesetzt, sie wird verständlich vermittelt und an den Lebensrealitäten der Menschen ausgerichtet. Genau hierin liegt die nachhaltige Wirkung des Projekts.






